
Kenjutsu
剣 Ken = Klinge, Schwert / 術 Jutsu = Kunst, Fähigkeit
Kenjutsu lehrt den Umgang mit dem Katana, dem klassischen, leicht gebogenen Langschwert der Samurai. Es wird oft "Ken" genannt - Klinge.
Es entstand aus den praktischen Kampferfahrungen der japanischen Kriegerklasse, vor allem während der japanischen Sengoku-Zeit - die "Zeit der streitenden Reiche", eine ca. 150jährige Periode des andauernden Bürgerkrieges, die ca. 1600 endete. Die Schwertkampftechniken wurden über Jahrhunderte hinweg ständig weiterentwickelt.
Mit dem Ende der Kriegszeiten - nach der großen Schlacht von Sekigahara - folgte die Edo-Zeit, eine 250 Jahre andauernde Periode des Friendens. In dieser Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt der Schwertkampfkunst von der unmittelbaren Schlachtfelderfahrung hin zur systematischen Bewahrung und Weitergabe der wirksamsten Prinzipien des Schwertkampfes.
Zahlreiche Kenjutsu-Schulen entwickelten sehr unterschiedliche Ansätze, teilten jedoch das gemeinsame Ziel, den Umgang mit dem Schwert nicht nur als Technik, sondern als Verbindung von Strategie, Timing, Distanz und geistiger Haltung zu vermitteln.
Im Kenjutsu des Kishinkai nutzen wir das Schwert nicht nur, um zum Teil uralte wirksame Schwertkampf-Techniken zu lernen, sondern auch um die Grundlagen selbstbewusster Bewegungen des Körpers in mentalen Kampfsituationen zu üben.
Der Kishinkai wurde von den Brüdern Léo Tamaki und Issei Tamaki auf Grundlage ihrer Studien zahlreicher traditioneller japanischer Kampfkünste entwickelt. Dabei steht besonders ein kämpferisches, effizientes Aikido im Vordergrund, denn Aikido basiert ursprünglich auf dem "Kampf mit der Klinge". Kenjutsu bildet die Grundlage dafür.
Ziel unseres Kenjutsu-Trainings ist die Entwicklung einer effizienten und anpassungsfähigen Kampfkunst, die nicht auf körperlicher Kraft oder einer möglichst großen Ansammlung von Techniken beruht, sondern auf Distanzgefühl, Timing, Körperorganisation, Wahrnehmung und der Fähigkeit, den Gegner und die Situation wirksam zu beeinflussen.
Für das gemeinsame Training sind keine besondere körperlichen Fähigkeiten und keine Vorkenntnisse notwendig. Neben dem gekonnten Umgang mit dem Schwert werden ein balancierter und beweglicher Körper trainiert, das Nutzen von Nähe und Distanz, das Lesen der Bewegung des Gegenübers, das Erkennen von Gelegenheiten und die Fähigkeit, die eigenen Bewegungen effizient einzusetzen, um die grundlegenden Mechanismen des Kämpfens zu beherrschen.
Das Schwert ist dabei nicht nur ein Trainingsmittel, sondern ein kompromissloser Lehrer.
Deep Dive in die Grundlagen des Kenjutsu-Trainings
Grund-Stellungen (Kamae)
Bei jedem Kenjutsu-Training ist die Kamae (Stellung oder Haltung) grundlegend:
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Seigan no Kamae (mittlere Stellung) ist die am häufigsten verwendete Stellung, ausgewogen zwischen Angriff und Verteidigung, und wird als die zentrale Kampfposition angesehen.
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Bei Jodan no Kamae (obere Stellung) wird das Schwert über den Kopf gehoben, für plötzliche, kraftvolle Abwärtsschläge. Die Stellung wirkt besonders einschüchternd.
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Bei Gedan no Kamae (untere Stellung) zeigt das Schwert nach unten. Sie bietet viel Flexibilität und wird gerne zur schnellen Verteidigung und zum Anlocken von Gegnern zum Angriff verwendet.
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Bei Hasso no Kamae (acht bzw alle Richtungen) wird das Schwert aufrecht an der rechten Seite gehalten. Der Griff befindet sich auf Höhe des Kinns. Die Haltung ist sehr offensiv und kampfbereit.
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Waki (Seitenstellungen) wird oft für unvorhersehbare Angriffe und Gegenangriffe verwendet, zum Einen um die offensive Absicht zu verbergen und zum Anderen, weil sie einen kraftvollen seitlichen Schnitt ermöglicht.
Grundlegende Schnitttechniken (Kiri Waza)
Kenjutsu-Angriffe konzentrieren sich auf effizientes Schneiden und unauffällige Bewegungen.
Zu den wichtigsten Schnitttechniken gehören:
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Vertikalschnitt (Men Uchi): Zielt auf den Kopf oder die Mittellinie
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Abwärtsschnitt (Kiri Oroshi): Kraftvoller Überkopfschnitt
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Horizontalschnitt (Yoko Guruma): Zielt auf den Rumpf oder die Seite des Bauches
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Diagonalschnitt (Kesa Giri): Geht von der Schulter zur Taille
Grundlegende Stoßtechniken (Tsuki Waza)
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Stoßen ist eine der tödlichsten Techniken im Kenjutsu. Sie sind sehr schnell ausgeführt und dadurch oft schwerer zu verteidigen.
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Chudan tsuki ist eine lineare Stoßbewegung zum Bauch.
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Jodan tsuki ist eine leicht nach oben ausgeführte Stoßbewegung zur Kehle
Verteidigungs- und Kontertechniken (Uke & Kaeshi)
Im Kishinkai Kenjutsu gilt, dass jede Verteidigung auch ein Angriff ist. Die Aufteilung in Angreifer und Verteidiger geht fließend ineinander über. Die Klinge des Gegners wird oft leicht umgelenkt und diese Umlenkbewegung dient der Öffnung des Körper des Gegners für einen Gegenangriff.
Dabei wird der Klinge des Angreifers wird nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich ausgewichen, um möglichst in einer Angriffsdistanz zu bleiben und in der Vorwärtsbewegung gekontert. Das grundlegendste Prinzip dabei ist immer: Die Klinge bewegt sich immer bevor der Körper sich bewegt.
Kenjutsu Training
Mit den sogenannten Suburi üben wir die Präzision des Körpers, der präzisen Abstimmung von Körper und Schwert sowie die Schnitte und Stöße.
Die Kihon (Basisübungen) dienen der Übung von grundlegenden Konterbewegungen, dabei wird besonders auf Beinarbeit und Distanzkontrolle geachtet. Im Kenjutsu ist die Bewegung des Körpers und Beherrschung der besten Distanz genauso grundlegend, wie das eigentliche Führen des Schwertes.
Die Kata (feste Formen) dienen der Entwicklung des Muskelgedächtnisses. Hier simulieren wir häufige Angriffs- und Verteidigungs- und Konterangriffssituationen, um eineRoutinierung typischer Bewegungsabläufe zu ermöglichen. Das wiederholte Üben baut intuitive Reaktionen auf.
Bei fortgeschrittenen Kursen simulieren wir Kampfsituationen. Das kann offenen Angriff und offene Verteidigung beinhalten (ohne Rüstung, daher kein vollwertiges Sparring), sowie Szenarien mit mehreren Gegnern, um schnelle Reaktionen mit einem ruhigen Geist zu üben.
Das Ziel ist nicht der Wettkampf, sondern die realistische Anpassung an den mentalen Druck einer Kampfähnlichen Situation.
Kenjutsu und Iaijutsu: Gemeinsam ein komplettes Kampfsystem
In traditionellen Samurai-Systemen sind Kenjutsu und Iaijutsu komplementäre Disziplinen.
Iaijutsu: Ziehen des Schwertes als unerwarteter Schlag aus der Stille
Iaijutsu konzentriert sich darauf, anzugreifen, bevor der volle Kampf beginnt: Das Schwert wird schnell und leise aus der Scheide gezogen und der erste Schnitt gegen den Gegner wird während dieser ersten Ziehbewegung ausgeführt. Die Idee ist, dass das Duell möglichst mit einer einzigen Aktion beendet werden kann. Trainiert werden Ziehgeschwindigkeit, integrierte Zieh- und Schnittbewegung und das kontrollierte Wiedereinstecken. Die wahre Fähigkeit liegt in der schnellen Entscheidungsfindung. Iaijutsu fördert besonders ein Mindset der inneren Gelassenheit und der entspannte Bereitschaft des Körpers.
Kenjutsu: Training des andauernden Kampfes
Wenn der Kampf oder das Duell nicht durch den ersten Schnitt beim Ziehen des Schwertes beendet wird, greifen die Techniken, die beim Kenjutsu gelehrt werden: Kontinuierlich sich abwechselnde Offensive und Konter bei gleichzeitiger Defensive, präzise Fußarbeit, permanente Distanzkontrolle, Rhythmus-Manipulation, psychologische Stärke und Taktik.